Holz Produkte und knacken
Zunächst muss ich sagen, dass ich keine Ausbildung im Bereich Holzverarbeitung habe. Was ich schreibe basiert allein auf meinen persönlichen Erfahrungen.
Holz ist ein lebendiges Material und es muss als solches auch verstanden werden. Diese Lebendigkeit macht seinen besonderen Charme aus, obwohl ich zugeben muss, dass ich manchmal schon enttäuscht bin, wenn ich einen neuen Riss entdecke, wenn ich mit einem neuen Stück begonnen habe. Ein solcher Riss gab den Anlass für diesen Artikel. Ich habe zwei neue Risse in einem Stück aus Birkenholz entdeckt, an dem ich gestern begonnen habe zu arbeiten. Ich dachte das Holz sei schon trocken, aber wie es sich herausstellte – noch nicht trocken genug.
Ich habe es über Nacht ohne Abdeckung in meiner Werkstatt liegen gelassen. Und heute erwarteten mich zwei Risse in einem ansosten perfekten Stück Birkenholz mit schöner Maserung. Normalerweise wickle ich meine Stücke in ein Tuch und stecke sie in einen Plastikbeutel, um zu verhindern, dass Feuchtigkeit zu entweicht. Denn sogar wenn das Holz bereits trocken erscheint, werden durch die Bearbeitung Stellen im Material freigelegt, an denen sich noch etwas mehr Feuchtigkeit befinden kann. Durch die Bearbeitung können in dem neu geformte Werkstück Spannungen auftreten, die zu neuen Rissen führen. Mein Rat, basierend auf meiner heutigen Lektion, ist also, neue Werkstücke, während der „Ruheperiode“ immer abzudecken. Selbst die, von denen man meint, sie wären trocken.
Risse entstehen, weil in einem Stück Holz die äußeren Schichten schneller trocknen als der Kern. Und wenn die äußeren Schichten trocknen bilden Risse um das „verlorene Material“ zu ersetzen. Ich habe das an einem meiner Stücke sehr gut beobachten können. Ich habe eine kleine Schmuckschatulle aus einem frisch geschnittenen Ahornstamm gemacht. Ich habe den Stamm in zwei Hälften gespaltet und die eine Hälfte für den Deckel und die andere für das Unterteil verwendet. Bis die Arbeit an den Stücken beendet war habe ich beide Teile in einem Plastikbeutel aufbewahrt und am Ende habe ich etwas Öl aufgetragen. Der Deckel hat wunderbar gepasst. Aber ein paar Tage später war an den Seiten mehr als 5 mm Luft zwischen den beiden Teilen. Der Deckel konnte sich seitwärts bewegen. Denn beide Teile hatten ihre Form verändert. Es gab keine Risse, wohl aber eine Formveränderung. Die Wände waren recht dünn und es gab nichts was einer Formveränderung hätte entgegenwirken können. Die oberen Seiten verbogen sich nach oben und die unteren nach unten. Auf diese Weise hatte der Deckel nur in der Mitte des früheren Stammes Kontakt. Wäre der Stamm nicht gespalten worden hätte er irgendwo in der Mitte definitiv einige Risse bekommen.
Das bedeutet, dass man Risse unter bestimmten Bedingungen definitiv vermeiden kann. Es hängt von der Dicke der Wände, der Maserung des Holzes und der Form des Werkstücks ab. Vorher hatte ich versucht eine große Schale von einem halben Meter Durchmesser herzustellen. Allerdings arbeitete ich senkrecht zur Wuchsrichtung. Der Riss entstand noch während der Arbeit. Es „fehlte“ viel Material, also entstand ein großer Riss. Ich fragte bei einem Hersteller kleiner Holztrockner, Plano, nach, ob sich das Entstehen von Rissen mit der richtigen Methode verhindern ließe – die Antwort war – nein. Das liegt daran, dass der Kern anders trocknet als die äußeren Schichten. Die einzige Möglichkeit Risse zu verhindern wäre, den Kern zu entnehmen und beide Teile separat zu trocknen.
Was stellen wir also mit Rissen? Ich persönlich bin dagegen, sie zu verstecken. Man kann sie nicht verstecken. Es sei denn sie sind winzig klein. Ich rate auch sehr davon ab, Holzkitt zu verwenden, da er definitiv herausfällt. Also nicht mal daran denken! I fülle die Risse gern mit Epoxit. Man kann es färben. Auf dem obenstehenden Foto habe ich carbongraues Pigment verwendet. Es würde auch mit silbrigen Tönen hübsch aussehen und für dunkleres Holz kann man gelb, grün oder blau verwenden. Das unterstreicht den Riss. Natürlich kommt es auch auf die Anzahl der Risse und ihr Ausmaß an. Für große Risse am Rand eines Werkstücks kann man auch Draht oder Lederbänder verwenden, um den Riss zusammenzubinden (so wie man es mit Schnürsenkeln tut). Das Endergebnis kann so besser aussehen, als ohne den Riss! Und keiner weiß ja, warum der Riss da ist oder wann er entstanden ist! ;-)
Sie haben sich vielleicht gefragt, warum es denn nötig ist, die Teile einzuwickeln. Ich preise hier ja großartige Werkzeuge an, mit denen man sicher die Werkstücke innerhalb eines Tages fertigstellen könnte. Eine gute Frage. Der Grund für dafür liegt nicht bei den Werkzeugen. Oder vielleicht doch? Also, ohne die Werkzeuge, die mir erlauben komplexe Formen herzustellen, würde ich sicher einfacher arbeiten und wäre schneller fertig. Aber da ich die Option habe, mache ich es mir gern etwas schwerer. Ich erfinde komplexe Formen, die mir beim Arbeiten einfallen. Zwischendrin brauche ich dann Pausen, in denen ich mir überlege, was der nächste Schritt sein soll. ES ist sehr viel einfacher Holz zu entfernen, als es wieder anzubringen. Was einmal abgetragen hat, das bleibt ab. Es bin immer noch dabei zu lernen und die Möglichkeiten zu entdecken. Oft mache ich etwas, was ich dann nie wieder tun werde, weil es die Schleifarbeit so kompliziert macht. Ich habe eine Schüssel bereits über zwei Monate auf meinem Esstisch stehen. Sie ist fast fertig, aber irgendetwas fehlt noch an ihr. Ich kann nur nicht genau sagen was. Und nun kennen Sie den Grund, warum ich meine Werkstücke einwickeln muss.
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